Roden, Rodenerbach, Ellbach

Zur Problematik von Entstehung, Kontinuität und landesrechtlicher Grundlage der Orts- und Gewässernamen
von Thomas Gergen
Hermann Gergen (gest. 24. März 2005) zum Gedächtnis,
der am 25. August 2013 sein 75. Lebensjahr vollendet hätte.
Cum gratitudine patri carissimo!
Saarlouis kann seine Herkunft nicht verstecken, so weiß jeder, dass „Sarrelouis“ auf Louis XlV. d. h. Ludwig XlV. zurückgeht.1 Bei Dillingen ist dies schon schwieriger, letztlich hat sich aber doch bis heute folgende plausible Erklärung durchgesetzt: „bei oder zu den Leuten des Dullo“. Der Name geht sehr wahrscheinlich zurück auf eine fränkische Siedlung in der frühen Merowinger-Zeit, ca. um 500 n. Chr.2
Pfarrer Schmitt3 meinte 1850 indessen noch, der Name Dillingen rühre – wie beim Ort Dudelange in Luxemburg – von „dudeln“, womit er ausdrücken wollte, dass die Bewohner gerne musizieren und trinken. Schon hier sei im Vorfeld anhand des konkreten Beispiels von Dillingen vor einer übereilten Deutung bei Ortsnamen generell gewarnt. Denn der größte Feind der linguistisch sauberen Herleitung von Namen ist das bloße „In-Verbindung-Bringen“ und das „So-Ähnlich-Klingen“. Wolfgang Haubrichs (Saarbrücken), dem ich für zahlreiche Hinweise und Hilfestellungen aus drücklieh danken möchte, hat zum Problem der Ähnlichkeitsetymologie zutreffend geschrieben:4 „Namenkunde ist immer zuerst Sprachwissenschaft; bevor sie der Geschichtswissenschaft etwas geben kann, müssen die sprachlichen Probleme der Identifikation und etymologischen Ableitung von Namen gelöst werden. Namen sind sprachliche Objekte.“ Er fährt sodann fort: „Namen sind nicht, sie werden
gegeben; sie werden von Menschen vergeben an historische Individualitäten, an eine bestimmte Sache, wie Personen, Ort, wie eine Siedlung, wie die Nutzungsfläche einer Siedlung oder Gemarkung, welche in Flurnamen5 benannt wird. Durch Namen, insbesondere Orts- und Gewässer-, Flur- und Siedlungsnamen macht sich der Mensch die ihn umgebende, von ihm genutzte Landschaft verfügbar, benenn bar, mitteilbar an andere.“
Die Spekulationsgefahr gilt im besonderen Maße für die Rückschlüsse für Roden, über dessen Herkunft bereits viel spekuliert wurde. Im Folgenden möchte ich auf diese mannigfachen Deutungsversuche gleichwohl eingehen und, entgegen einer stringent linguistischen Analyse, ausführlich auf die Erklärungen hiesiger
Regionalhistoriker Bezug nehmen, um zu zeigen, woher das Komonym, d. h. der Ortsname Roden stammt. Nicht losgelassen hat mich des Weiteren die Frage, ob die neuerlichen Keltenfunde seit den 1970er Jahren nicht zu einer anderen Interpretation des Ortsnamens Roden führen können6sowie schließlich die Frage nach dem Gewässer, das durch Roden zieht; ab wann wurde aus dem Rodenerbach „offiziell“, d. h. auf normativer bzw. genauer gesagt auf landesgesetzlicher Grundlage, der „Ellbach“ von der Quelle in Falscheid bis zur Mündung in die Saar auf Rodener Gebiet.
1. Bisherige Forschung:
Viele verschiedene Interpretationen zum Ortsnamen Roden
Severin Delges fasst 1933 die bis dahin gegebenen Erklärungsversuche (Philipp Schmitt, Max Müller, Hans Prümm, Nikolaus Fox) folgendermaßen zusammen:
„Die einwandfreie Deutung des Namens Roden scheint bislang noch nicht gelungen zu sein. An Erklärungsversuchen hat es nicht gefehlt. Man darf davon absehen, den Namen mit roden = ausrotten in Verbindung zu bringen. Roden hat längst bestanden, als die großen Rodungsperioden in unserer Heimat eingesetzt haben. So viel steht fest, dass die von Natur waldfreien und waldarmen Landstriche niemals von der Bevölkerung gänzlich aufgegeben worden sind. Das breite, fruchtbare Saartal war ohne Zweifel ein Landstrich, zu dessen Besiedelung es der Rodung nicht bedurft hat.7
Dies ist sicher richtig. Denn bei der fränkischen Landnahme seit der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts kam es zu einem friedlichen Nebeneinander von Franken und einheimischen Romanen und keinen großen Rodungen im bereits waldarmen und sumpfigen Gebiet.8 Sodann untersucht Delges die keltische Herkunft: „Ob Roden eine keltische Bachbezeichnung ist, kann nur vermutet werden, wenngleich die keltische Siedelung Roden durch Funde aus der Latene-Zeit9 sicher nachgewiesen ist10.“ Danach verknüpft Delges die Ortsbezeichnung Roden jedoch mit einem englischen sowie einem mittelhochdeutschen Wort: „Bleibt noch der Ausweg, den Ortsnamen Roden mit dem englischen road = Straße oder dem mittelhochdeutschen rath 11 = eingezäunte Landfläche oder mit rada = Reihe in Verbindung zu bringen.“12 Erst dann entscheidet sich Delges und gibt der Lösung, Roden als keltische Bezeichnung für einen Bach zu sehen, den Vorzug: „Die Zurückführung des Namens Roden auf eine keltische Bachbezeichnung, hier also den Rodenerbach, verdient wohl den Vorzug.13
Delges verweist in der dazugehörigen Fußnote auf den Vorschlag, der in Roden .rad“ = „graben“ erblickt.14Somit stand nach Delges der „eingegrabene“ Bach, der Bachgraben, am Anfang der Namensgebung für Roden. Es wird sich zeigen, ob dies auch tatsächlich aus dem Keltischen hergeleitet werden kann. Diejenigen, die dies annehmen (Prümm, Müller, Schmitt), führen keine überzeugenden Wortquellen an.
Wir täten Delges allerdings Unrecht, wenn wir nicht auch seine Zweifel an dieser Lösung mitläsen: „Aber es dürfen dabei nicht folgende Schwierigkeiten übersehen werden. Einmal ist der ursprüngliche Ortsname nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. Gerade die ältesten Namensformen führen, sofern sie nicht in den frühesten urkundlichen Belegen bereits verwittert sind, am ehesten zum Ziel. Außerdem wird man auch nach der Eroberung unserer Heimat durch die Römer noch längere Zeit keltisch gesprochen haben, wie das für das Trierer Gebiet nachgewiesen werden kann. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich, wenn Orts- und Bachname gleichlauten. Hat der Ort von dem Bach oder umgekehrt der Bach von dem Ort seinen Namen? Durchweg wird die Bachbezeichnung ja wohl älter sein, der Ortsname also der Bachbezeichnung sein Entstehen verdanken.15
Aber auch hier erheben sich Zweifel: Erst Menschen, die Orte besiedeln, geben die Namen für ihre Siedlungen und Gewässer. Ob sie den Bach oder den Ort zuerst benennen, kann in jedem Fall anders sein.
Zu beobachten ist unterdessen, dass sich die Ableitung des Ortsnamens Roden vom Bach bereits früh durchgesetzt hat. So dichtete die Rodener Lehrerin Anna Franz zur Eingemeindung Rodens in die Stadt Saarlouis im Jahre 1907, als Roden zu
„Saarlouis 2“ wurde.16
Rodena“ ward ein Bach genannt,
Noch eh‘ der Ort den Namen kannt,
„Roden“ ward er dann getauft
Wahrscheinlich nach des Baches Lauf [ … ]
Delges schließt ab mit der Keltentheorie:
„Die ersten Bewohner Rodens scheinen demnach Kelten gewesen zu sein. Wann allerdings aus der alten Keltenhütte der siedlungsbegrifflich eindeutig feststellbare Ort Roden entstanden ist, kann nur vermutet werden. Urkunden berichten nicht darüber, alte Funde, die uns einen genauen Einblick in die Zeit und Lebensweise der keltischen Bewohner geben könnten, gibt es für Roden nicht. Es ist möglich, dass Roden bereits um 500 vor Christus entstanden ist.“
Der kurze Verweis auf die Urkunden meint die beiden Urkunden, die für die Datierung dererstmaligen Erwähnung Rodens („Rodena“) in Schriftquellen angeführt werden: 17
– Hier steht die Schenkungsurkunde von 995 in Rede: die Schenkung der Berta an die Abtei Mettlach, wo vom Hofe .Rodena“ im Saargau die Rede ist: uilla Rodena uocabulo sita in pago Sarensi. In comitatu Uualdrauingensi, 18 d. h. der Hof Rodena, im Gau der Saar und in der Grafschaft Wallerfangen gelegen. Die Gaue waren fränkische Verwaltungseinheiten. Die in den Untergauen (Grafschaften) gelegenen Königshöfe dienten den Gau-Grafen als Wohnstätten.19 Einen solchen Grafen kennen wir aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts als Folmar. Die Existenz von Gauen ist allerdings bereits Teil der keltischen Staats- und Verwaltungsorganisation.
– Ferner die Wallfahrtsliste des Klosters Mettlach, zu datieren auf die Zeit des Trierer Erzbischofs Ruotbert, 931-956. Hier ist die Mettlacher Güterrolle als Quelle einschlägig, die Nennung Rodens „Rodena“ stammt aus einem Nachtrag der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zum ältesten Urbar, d. h. Grundstücksverzeichnis. 20
In diesem Zusammenhang lohnt es sich, eine noch weiter führende Zusammenstellung der Quellen zur Kenntnis zu nehmen, die Roden bis in die Frühe Neuzeit hin nennen: Im Jahre 1154 ist in einer Quelle aus dem Kloster Fraulautern die Rede von Rodanam, 1180 finden wir apud Rodanum vectigal in Sara, wobei es sich um eine Besitzbestätigung an das Kloster St. Martin-Glandariensis (Lubeln) durch Papst Alexander IH. handelt. Neben Roden werden auch Niedaltdorf und Wallerfangen aufgezählt. Bei der Mettlacher Pflichtprozession erscheint Rodena, datiert ins Jahr 1222. In den Archives Departementales von Nancy21 figuriert Rode von 1262. Zwischen 1307 und 1354 ist de Rodenna überliefert. Der Visitationsbericht des Erzstiftes Trier weist schließlich wieder Rodena auf (1569).22
Allerdings kannte Delges erst die Anfänge der Forschungen zur gallo-römischen Besiedlung in Roden, d. h. nicht die grundstürzenden Erkenntnisse, die Hermann Maisant (und mit ihm Victor Rau) resümierte.23 Gleichwohl lag und liegt er bei seiner Einschätzung einer keltischen Herkunft des Toponyms Roden richtig.
Bei Aloys Lehnert lesen wir 1968 hingegen einen römischen Bezug heraus:
„Wir haben schon öfter darauf hingewiesen, dass zwischen der vorgermanischen und germanischen Zeit eine auffallende Siedlungslücke klafft. Der Raum um Pachten und Dillingen wird wohl vor allem in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts fast siedlungsleer gewesen sein, im Gegensatz z. B. zu Roden, Merzig,24 Konz, Bitburg, Neumagen, Siedlungen, die ihre alten Namen über die Landnahme hinübergerettet haben. Wie wäre es sonst zu erklären, dass im Siedlungskern Pachtens die heutigen Straßen, also auch die fränkischen, ganz anders verlaufen als die römischen?25
Roden ist nach Lehnert ein vorfränkischer, sogar ein römischer Name. 26 Allerdings bleibt Lehnert die Wortbedeutung schuldig. Roden ist kein originär lateinischer Terminus, er wurde allenfalls latinisiert.
Marc Finkenberg schreibt 1997 sehr allgemein, ohne sich festzulegen, und beruft sich auf Forschungen hauptsächlich von Christmann (1962): „Teilweise wird Roden mit dem europäisch verbreiteten rad = graben, dem Mittelhochdeutschen rath = eingezäunte Landfläche, dem ebenfalls Mittelhochdeutschem (sie!) rada = Reihe oder auch mit dem englischen road = Straße in Verbindung gebracht.“27
Die „gängige“ Deutung des Namens Roden sei indes eine vorrömische, höchstwahrscheinlich keltische Bezeichnung für einen Wasserlauf, aus dem sich der gleichlautende Ortsname entwickelt habe.
Damit wiederholt Finkenberg sehr knapp28 den Erkenntnisstand von Delges aus dem Jahre 1933, ohne allerdings danach erschienene Literatur zu vernachlässigen. Er erwähntBuchmüller/ Haubrichs/ Spang29 sowie Ernst Christmann.30Allerdings sagt Christmann31: „Wir dürfen also – und darauf wollte ich sehr kräftig hinweisen – nicht mehr auf die in MMü. I [= Max Müller, 1. Band] gegebenen Erklärungen vordeutscher Gewässernamen, die zu SN [= Siedlungsnamen] geworden sind, auf- bauen, sondern müssen neuere, moderne Werke zu Rate ziehen.“
Christmann beruft sich wiederum auf Max Müller32 und gibt diesen unkorrigiert wieder, indem er schreibt: „Roden bei Saarlouis ist nach MMü. I 51 kelt. Rodana, ursprünglich Name des Rodener Bachs, zusammengesetzt aus dem Grundwort -ana und dem Bestimmungswort Rod-, und entspricht lat. Rodanus, dem alten Namen der heutigen Rhone. „
Aber was heißt hier genau „Bestimmungswort“? Dieses übersetzt Christmann nicht. Seine Deutung -ana hat er auch schon für die Erklärung Ensdorfs (Enes- oder Ennesdorf) benützt, was auf keltisch an = „Moor“ zurückgeführt wird, im zweiten Bestandteil steckt -isa als Ableitungssuffix, so dass ein Gewässer, das durch mooriges und sumpfiges Gelände fließt, gemeint sein müsse. Dies habe für Ensdorf „ja ehemals“ zugetroffen.
Interessanterweise stützt Christmann sodann seine Ensdorf-These mit der Erklärung, dass Roden einem keltischen Gewässer seinen Namen zu verdanken habe: „Da nicht weit unterhalb der Saar Roden von einer keltischen Rodana33 seinen Namen erhielt, der fast der gleiche ist wie der der Rhone (ehemals Rodanus), wäre unsere Deutung umso annehmbarer.“
Mit diesem Vergleich zur gefundenen Lösung für Roden stützt Christmann seine These gegen diejenigen, die Ensdorf von „Ernestorf“ ableiten, also ein nach einem gewissen Ernst benannten Dorf.34
M. E. hat Christmann für Ensdorf mit seiner Herleitung eines Gewässers, das durch Moor fließt, recht; auch scheint der Siedlungsname Roden einen vorgermanischen Gewässernamen zu repräsentieren, ähnlich tun dies die Siedlungsnamen Ihn (Inne im 11. Jahrhundert), Düren (Duma 1121) wie Nied und Prims, wie Haubrichs zurecht betont.35
Das Toponym .Rodena“ ist gen au betrachtet aber zweigliedrig. Die erste Silbe trug mehr als nur die Bedeutung eines bloßen Bestimmungswortes. Christmann hält aber
Rod-ana“ fälschlich für ein Kompositum mit kelt. *ana = Sumpf, was aber angesichts der zahlreichen alteuropäischen resp. indogermanischen (idg.) Gewässernamen mit * Rodh- und wechselnden Suffixen unwahrscheinlich ist. 36
Auch hier muss gelten, was Christmann zum Werk Max Müllers im selben Aufsatz zutreffend ausgeführt hat: „Das für jene Zeit [also 1905-1910] sehr verdienstvolle Werk ist aber infolge des Fortschritts der Wissenschaft in mehr als 50 Jahren hie und da überholt und bedarf der Verbesserung.37
2. Neue Erklärungsansätze
2.1 Fränkische oder spätere Erklärungen anhand vorhandener Parallelen in Ortsnamen mit gleichlautender Wurzel
Rodalben: Zu Rodalben gibt es folgende Informationen: Die Herkunft des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Als alb bezeichneten die Kelten Flüsse oder Bäche. Für den Namensbestandteil Rod, zeitweise auch Roth, gibt es zwei Erklärungsansätze.
Zum einen könnte der rote Sand des Flussbettes der Namensgeber sein, zum anderen die Tatsache, dass in den Tälern durch das Roden (Rotten) der Wälder weite Wiesen- und Ackerflächen angelegt wurden.
1237 wurde Rodalben erstmals urkundlich als Meyerhof erwähnt. Es war über Jahr- hunderte eine bäuerlich geprägte Ansiedlung, die zusammen mit der Burg Gräfenstein bei Merzalben den Grafen von Leiningen gehörte. Um das Jahr 1360 dürfte die erste Pfarrkirche in Rodalben erbaut worden sein. Davon zeugen der noch erhaltene romanische Turm und der mit Fresken geschmückte gewölbte Chor.38
Damit gehört Rodalben zu einer späteren Gründung, die offenbar aus der Zeit der Rodungs? des Pfälzer Waldes zur Landgewinnung stammte. Ähnlich verhielt es sich für Rodemack/Lothringen, in dem „mago-, magus“ steckt, welches im Gallischen „Ebene, Flachland, Feld“ bedeutet.40
Natürlich besteht bei „Roden“ auch der Anklang an die Farbe „rot“. In Flurnamen taucht rot, ahd., mhd., mnd., in diesem Sinne auf, so etwa wird um 1325 ein Flurname by deme rodin steyne = beim roten Stein überliefert.41 In Roden gibt es die roten Sandfelsen östlich der Bergstraße bzw. am Park, in Richtung Dillingen die „Sandkaul“.
Der Sandkaulberg (Roterberg) hatte eine Bergspitze, wo über lange Zeit hin Kies und Sand abgetragen wurden. In Roden gab es früher zahlreiche Kiesgräber und Bauunternehmungen sowie eine Backstein- und Ziegelfabrik.42 Zweifellos trägt der „Röderberg“ als Flurname die Farbe „rot“ in sich; der Name dürfte allerdings erst im Mittelalter entstanden sein. Der Bach- und Siedlungs name für Roden ist indes vorgermanisch respektive keltischen Ursprungs.43
Rodenbach im Pfälzerwald: Der Bach entspringt in etwa 320 m Ü. NN westlich des Weilers Rosenthalerhof. Im Ebertsheimer Orts bezirk Rodenbach, der ihm seinen Namen verdankt, biegt er nach Süden ab und mündet unterhalb der Wohnbebauung von Ebertsheim auf 164 m Ü. NN von links in den Eisbach.
Den vermutlich im 8. Jahrhundert entstandenen Namen leiten Historiker von „Bach des Rodo“ ab. Rodo (Roderich, Rodobert) ist ein fränkischer Eigenname und deutet auf einen Landbesitzer hin, der an dem Bach Wasserrechte hatte.44 Zum ersten Mal urkundlich erwähnt findet sich Rodenbach im Jahre 1095.45
Nach wohl anderer und zutreffender Meinung gehört Rodenbach zum Farbwort ,,-rot“ .46
Rodes (Rodt) am Stockweiher in Lothringen könnte ebenfalls auf diese Weise entstanden sein. Dafür spricht das End-s für Rodericus.
2.2 Römische Erklärung
Geht man wie Lehnert (s.o.) oder Max Müller von einem gar römischen Namen Rodens (Rodenus) aus, müsste man auch an die Stadt Rodez denken. Dort knüpft die Toponymie sogar an den Stamm der Ruthenen, pagus rutenus, civitas rutenensis, die sich nachweislich in der Region niedergelassen hatten. Diese Hypothese bleibt für Roden allerdings mangels Anzeichen außen vor, sodass Roden also vorrömisch sein muss.
2.3 Rückführung des Namens in die Keltenzeit und ins Keltische
Diese Untersuchung erfolgt in zwei großen Blöcken, nämlich im Gedanken der frühen Missionierung und der Siedlungskontinuität.
2.3.1 Missionierung der Saargegend
Im saarländisch-lothringischen Raum sind aus der Schar so genannter iro-schottischer, mithin keltischer Heiliger gut bekannt: Wendelin47, Kolumban von Luxeuil in den Vogesen, Disibod48 (der Einsiedler auf dem nach ihm benannten Disibodenberg an der unteren Nahe) sowie auch die Heilige Oranna.49 Dies führt zur Frage, ob es nicht einen iro-schottischen Heiligen gibt, dessen Name an .Rodana“ bzw. .Rodanus“ erinnert. In der Tat lebte Rodanus von Leinster (irischer Name: Ruadhan mit deutlichem Diphtong -ua-). Er war Schüler von Findan von Clonard und gründete das Kloster Lorrha in der Grafschaft Tipperary, das er auch als dessen erster Abt leitete. Ruadhan gilt sogar als einer der zwölf Apostel Irlands.50
Es ist und bleibt dies eine gefällige und schöne Spur, die sich aber leider nur in der verblüffenden Namensidentität wiederfindet und ansonsten jeglicher weiterer Nach- weise entbehrt. Eine Annahme dieser Interpretation wäre m. E. ergo eine schlimme Ähnlichkeitsetymologie.
2.3.2 Siedlungskontinuität
Die Besiedlung Rodens in vorrömischer Zeit gilt heute als gesichert, d. h. ein kontinuierlicher Übergang von der keltischen Bevölkerung zur Romanisierung bis zur fränkischen „Landnahme“.
Die Sesshaftwerdung der Germanen und ihre Keltisierung beschreibt Prümm in seiner „Vergangenheit des Stadtteils Roden“ recht eingängig: „Die Bewohner dieser Niederlassung müssen ursprünglich Kelten gewesen sein, bis im Laufe des dritten oder spätestens des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts die Germanen über den Rhein vordrangen und im Mosellande festen Fuß fassten. Es waren das die Treverer, die aber bald ihre Sprache und teilweise ihre Sitten aufgaben und zu Kelten wurden. Unter Cäsar teilten sie das Schicksal des übrigen Gallien, sie kamen (seit 58 n. Chr.) unter die römische Herrschaft. In frührömischer Zeit muss an der Stelle des heutigen Roden eine große Niederlassung bestanden haben; ein Gräberfeld aus dieser Periode hat zahlreiche Funde hergegeben … „.51 Was Prümm 1913 schrieb, bestätigte sich seit 1940 mit dem Hortfund sowie den weiteren Grabungen, die Hermann Maisant beschreibt.52
Die weiteren Völkerwanderungen von Germanen und Alemannen bis hin zur fränkischen Landnahme schließt Prümm an: „Dann kamen die Germanen. Bereits 406 drang eine mächtige, germanische Völkerwelle über den Rhein nach Gallien. Ihr folgten einige Zeit später die Alemannen53, die aber unter Chlodwig (um 500) end- gültig nach Süden, bis zur Grenze des heutigen Elsaß, zurückgedrängt wurden. Aus der damit beginnenden fränkischen Zeit sind noch wenige Funde in Roden gemacht worden, aber doch genug, um die Fortdauer der Ansiedlung zu beweisen. Dasselbe Gräberfeld, das in vor römischer und römischer Zeit benutzt wurde, diente seinem Zwecke weiter.
Natürlich trat damals Roden unter fränkische Verwaltung, die von königlichen Beamten, den Grafen, ausgeübt wurde; ihre Verwaltungsbezirke waren die Gaue. Roden gehörte zum Saargau, dessen Umfang ungefähr durch die Kreise Merzig, Saarlouis und Saarbrücken wiedergegeben wird … „.54
2.3.3 Der Hort/und in Roden (1940)
In der Nähe des Hauptbahnhofes Saarlouis, in der Flur „Binz“, wurde 1940 der „Hortfund“ gemacht. Er ist der bisher älteste vorgeschichtliche Fund auf der Rodener Gemarkung.
Damit begann die Besiedlung des Rodener Bannes in der späten Bronzezeit, auch Urnenfelderzeit genannt, die in das 12. bis 8. Jahrhundert v. Chr. datiert wird. Der Rodener Hortfund wird präziser auf das 8. Jahrhundert v. Chr. datiert. Dort soll er in kriegerischer Zeit in der Erde vergraben worden sein. Er lag am Fuße einer leichten Anhöhe in unmittelbarer Nähe des Ellbaches, an der Stelle, wo dieser von Osten kommend in das Saartal einfließt. Der Hortfund in der „Binz“ weist darauf hin, dass in der Nähe des Fundortes eine Siedlung bestanden haben muss, die sicherlich in der Nähe des heutigen Marktplatzes zu suchen sein wird und auch in der späteren Hallstattzeit (700-450 v. Chr.) bestanden hat.55
Der Hallstattzeit folgte die Latenezeit (450-20 v. Chr.), deren Namen von der Sandbank „La Tene“ im Neuenburger See/Schweiz herrührt. Das älteste aus Roden bekannte Grab der Latenezeit ist der mittleren Latenezeit zuzuordnen, also 250-150 v. ehr,
Aus der späten Latenezeit stammen weitere Gräber, wohl alle aus dem Gräberfeld Josefstraße, Am Hang zwischen heutigem Friedhof und Heiligenstraße haben seit der Hallstattzeit, womöglich bereits seit der späten Bronzezeit, die Toten von Roden ihre letzte Ruhe gefunden.56
Zurecht wird vermutet, dass es auch Gräber der frühen Latenezeit gab, die zerstört oder nicht beachtet wurden. Die Siedlungskontinuität in Roden kann auch darin erblickt werden, dass die frühere Kirche auf dem Marktplatz auf den Trümmern eines römischen Palastes bzw. Tempels ruhte, genauso wie dies für die Kirchen von Pachten oder Mechern galt.57 Da Roden bereits vor den Römern besiedelt war, hat es auch vor der römischen Besiedlung Fernverkehrsstraßen gegeben, die nicht befestigt waren. Die für den Handel der Römer wichtigen Straßen wurden dann von diesen befestigt. Dazu gehörte der Salzweg, der „alte Weg“ genannt, den die Römer befestigten, aus Richtung Metz über Merten-Bisten-Felsberg und Wallerfangen kommend. Hinzu trat umgekehrt der .Rötelweg“, der in Richtung Frankreich das regional geförderte Rötel zu transportieren half.58
Die .Binz“ ist wohl Rodens urtümlichster Ort, woran sich auch Sagen knüpfen. Erzählt sei die kurze Sage über „Die sieben Pferde an der Binz“, die zu den schönsten Sagen aus dem Kreis Saarlouis gezählt wurde: „Zwischen Rhoden und Fraulautem liegt der Binzhof. In dessen Nähe ist eine Stelle, wo es früher in stürmischen Nächten nicht geheuer war. Wenn ein später Wanderer an der Binz vorbeikam, so gewahrte er sieben Pferde ohne Köpfe, die wild durcheinander liefen. Von Grauen gepackt, blieb der Wanderer stehen. Aber die Pferde neckten ihn, sie sprangen ihm entgegen, überrannten ihn aber nicht, sondern jagten plötzlich davon. Wer aber die Furcht überwand und herzhaft zuschritt, um eins der kopflosen Tiere einzufangen, der fiel jedesmal zu Boden. Die Tiere aber liefen im Galopp davon. Sobald die Uhr auf dem Rhodener Kirchturm eins schlug, verschwanden die Pferde urplötzlich, wie sie gekommen waren.“59
2.3.4 Keltischer Wortschatz
In Gewässer-, Flur- und Ortsnamen stecken Überreste der keltischen Vorgeschichte im heimatlichen Raum. Diese Namen entstanden im Volksmund und unterlagen der Mundart und dem Einfluss volkstümlicher Umbildung.60 Die Kelten schufen gleich nach der Eroberung in Gallien ihre erste territoriale Organisation, also bereits im Laufe des 6. Jahrhunderts v. Chr.61
Die Grenze zwischen Gallisch und Germanisch bzw. Deutsch kann nicht durchgehend scharfgezogen werden. Auch die Abgrenzung des Gallischen gegen das Lateinische fällt nicht immer leicht. Die nahe Verwandtschaft auch dieser beiden Sprachen verführt oft dazu, einem Wort lateinischen Ursprung zuzuschreiben, während es in Wirklichkeit sowohl dem Lateinischen als auch dem Gallischen angehören kann.62
Wie ein Cantonsviertel als „Geaue“ oder „Geache“ (Gau, Gou) bezeichnet werden konnte, so war das Gebiet als Fluss- oder Strombezirk ebenfalls betrachtet worden, wie etwa gall. *blum (vgl. dazu lat. flumen = Fluss, Strom). Der Stadtname Koblenz, latinisiert Conjluentes, trägt diesen Namen noch in sich. Aus „pago-“ (lat. pagus) wurde -pach bzw. -bach.63
Bei rä“, rädh“ = rudern begegnet die Wurzel „ad“ für graben,64lat. später radere = abschaben sowie abscheren.65
Der Verfechter der These englisch „road“ war Philipp Schmitt (1850):
„Roden, 995 und 1132 Rodena, 1356, 1451, 1484 Rode.
Der Name kommt sehr häufig vor, ist gewiss meistens von roden , rotten abgeleitet, aber schwerlich in unserem Falle.
Es ist nämlich nicht gut anzunehmen, dass nach der Zeit der Römer, welche an mehreren Stellen von Roden gehaust hatten, dieser fruchtbare, an der Saar und an einem Bache liegende Ort, so öde geworden sei, dass man dort etwa eine n Wald ausrotten musste, um das Dorf zu bauen. Vielmehr möchte ich das Wort herleiten von road (rohd) englisch Straße, so das Roden wieder so viel währe als vicus.“ Schmitt setzt hier unzulänglicherweise Englisch und Keltisch gleich. Im Oxford Dictionary steht der Verweis auf das Altenglische, rád. Futur pret.stem of ridan to ride.“66 Obwohl hier kein keltischer Ursprung genannt wird, ist doch der Zusammenhang zur Bedeutung „graben“ zu erblicken. Es macht aber keinen Sinn, einen offenbar keltischen Begriff bloß mit einem englischen Wort „in Verbindung zu bringen“ (wie Schmitt und ihm folgend Delges dies taten). Vielmehr müsste man dann die Genese des Wortes „road“ suchen, die klar auf „radh“ zurückgeht. Ein Übergang von [a] zu [o] ist aber schwer nachweisbar.
Die Vermutung, dass sich die Unterschiede in den Vokalen auf die verschieden möglichen Ursprünge aus dem Keltischen erklären lassen (von „rodannus/rodanno“ zu .. rodana“ sowie von „rodunum“ letzten Endes zu „rodono „), kann sicherlich geäußert und verifiziert werden; dies soll im Folgenden auch geschehen, wird aber letzten Endes ins Leere führen.
2.3.4.1 rhodanus – Keltische Fluss- oder besser: Herrschaftsbezeichnung?
Fraglich ist indes hier, wie es zu .Rodena“ kam. Augenscheinlich ist der Begriff, dessen zweite Silbe betont wurde, auch zweigliedrig.
2.3.4.1.1 Flussbezeichnung
Die gallische Wasserwort-Bezeichnung dänu“ steckt im zweiten Teil des Wortes; dänu“ steht für Strom, strömend, reißend, stark, was sich weitergeführt hat in dänou- jos“ = Donau.67 „rho“ bedeutet allerdings „groß, üppig“. Aber kann dies für einen kleinen Bach wie den Rodener Bach gelten? Im Vergleich zur Donau machte dies keinen Sinn. Auch die Angleichung zur Rhöne ist bedenkenswert (Müller/Christmann). Allerdings bedeutete „Rh6ne“ großer Strom, was insgesamt zutreffend ist.
2.3.4.1.2 Herrschaftsbezeichnung
Eine andere Deutung wäre nicht das Eingraben, sondern zu suchen in der Bezeichnung einesHerrschers. Zu denken ist an einen keltischen Adligen, der namensgebend war, so wie wir dies bei Dillingen eingangs sehen konnten (Dullo): Rodanus: In rhodanus steckt dan(n)o, was imGallischen Beruf, Stellung, Anführer, Gewalthaber, auch Sachwalter und Richter bedeutet.68 Dabei handelt es sich um einen gallischen Titel, einen Personennamen. Es wird ein außerordentlicher Gewalthaber, auch Richter damit bezeichnet.
Es ist wohl sehr wahrscheinlich, dass, sobald das Druidentum an die Macht gelangt war, das Richteramt auch an dieses überging. Der Wortstamm „tunginus“, wie die Lex Salica den Richter nennt, bzw. bloßes tun-, dun- erscheinen in einigen Orts bezeichnungen.
Hierfür stehen: Thun, Kanton Bern, Dhaun, Kreis Kreuznach, so dann Yverdon oder Moudon, Kanton WaadtlWallis oder Kempten (Allgäu) etc.69
Danach ergäbe sich die Bedeutung: großer Anführer. Möglicherweise bezeichnet der Gattungsname auch eine konkrete besondere Person, die .Rodanus“ hieß. Dass dies ein keltischer Name ist und war, bezeugt der Heilige Rodanus (s.o.) Dann könnte sich aus „rodanus“, „rodanno“ gut und gern „rodauno“ und dann „rodono“ bzw. „rodona“ entwickelt haben. Genauso möglich, m. E. am wahrscheinlichsten, ist der Ursprung „rodunum“.
Rodunum: Hinzu kommt noch, dass „dunum“ als Bezeichnung für eine befestigte Ortschaft (lat. oppidum), also auch Städte auftritt. „dunum“ und mit ihm „durum“ sind gallische Appellative.70 Eine im Saarland sehr prominente stadtartige Siedlung (oppidum) ist der „Hunnenring“ bei Otzenhausen.71
Im Unterschied zum „durum“ hatte das „dunum“ eine weniger starke Befestigung. Beim „dunum“ dürfen wir annehmen, dass es eine Mauer mit Graben gab ohne Ver- stärkung mit Türmen (wie dies beim „durum“ der Fall war). .Durum“ könnte in diesem Fall dann „Turm“ bedeuten und ist stammverwandt mit lat. turris; hieraus entwickelten sich Solothurn, Winterthur etc.72 Der erste Bestandteil verweist wieder auf „rho“ und bedeutet im Gallischen, d. h. dem Festlandkeltischen (bis 5./4. vorchristliches Jahrhundert): „außerordentlich, üppig, groß“. Wir hätten dann: „rodonum“, .rodounoum“, sodann „rodano“. Und ohne -0 „rodan“ wie bei „Daun“, das zu „rodena“ wird.
Dies halte ich für einen möglichen Erklärungsansatz. Denn die Hervorhebung der Niederlassung und der befestigten Herrschaft könnten wichtiger erscheinen als der Bach, der wohl nicht als „großer Strom“ daherfloss. Dafür spricht auch die Verwen dung von Determinativen in anderen Ortsname, wie“Octodurum“, „Achttürmige“ sowie „Eintürmige“ = Solothurn.73 Für „dunum“ ist eine sehr bekannte Form „Lugdunum“ (Lyon). Hier stand „dunum“ für den befestigten Hügel, die Ortschaft sowie „Lug“ für die oberste keltische Gottheit.
Daher wäre bei Roden eher nicht an eine keltische Gewässerbezeichnung, sondern an eine keltische Herrschaftsbezeichnung zu denken. Zwei Wege eröffnen sich hier, nicht zuletzt wegen der starken Identität der Bezeichnungen von „Richter“ einerseits und“ befestigter Ortschaft“ andererseits. Bei „rodanus“ ist an eine personelle Anknüpfung zu denken, an die allgemeine oder persönliche Benennung eines Anführers mit Sachwalter- und Richterfunktionen, so wie wir es in den Schweizerischen Yverdon oder Moudon erkennen. Da die Ausgrabungen die Größe der keltischen Niederlassung untermalen, über die wahrscheinlich durch den keltischen Adel im „ro-dunum“ geherrscht wurde, können wir zum Schluss annehmen, dass in Roden die „große befestigte Ortschaft“ steckt.
Aber gen au hier stellt sich das Problem der Ähnlichkeitsetymologie, auf die eingangs hingewiesen wurde. Wer Roden von einem idg. rad- ableiten will, muss nachweisen, dass es eine Entwicklung von [a] zu [0] gab, also rad- zu rod-. Dass ist aber keineswegs belegt, vielmehr muss Rodena von einem Etymon mit kurzem [0] abgeleitet werden.
2.4 Nichtgermanische Siedlungs- und Gewässerbezeichnung?
Mit nichtgermanisch werden sowohl Namen galloromanischer, keltischer als auch vorkeltischer, wohl zumeist indogermanischer Provenienz umfasst. Der Begriff ist sprachwissenschaftlich definiert und schließt auch Toponyme ein, welche aus Lehnwörtern vorgermanischer Provenienz erklärt werden können.74
Keltische bzw. gallische Flussnamen finden sich bei uns z. B. im Fall der Leuk = gall. * Loukjä zu idg. * lelf:k-, * louk- im Sinne von „leuchten, licht, hell“, so dann * Idonä (Deutsche Nied) zu idg. *o(d-, „id- = „schwellen“ (?), mit keltischem Gewässernamensuffix -ona, oder aus Gewässernamen entstandene Siedlungsnamen wie Ahn = gall. Ana(m) = Sumpf.
V gl. auch Düren = gall. * Durinä zu gall. *durja „Fluss“. Diese keltisch-gallischen Bildungen sind zu erkennen entweder an speziell gallischer Lautentwicklung oder an der Verwendung typisch keltischer Suffixe oder auch daran, dass bei sprachlich möglicher Herleitung aus dem Indogermanischen die Parallelformen tatsächlich doch auf das frühgeschichtliche Siedlungsgebiet der Kelten beschränkt sind.75
So wird Roden erwähnt im Jahre 995 in villa Rodena vocabulo sita in pago Sarensil76 im 11. Jahrhundert Rodena, 1121 Rodona, 1154 ad Rodanam, 1180 apud Rodanam.77 Roden kann auf das idg. * Rodhanä zurückgeführt werden, wobei idg. *redh-, *rodh- „fließen, feucht“ bedeuten, *rodhos „Flusslauf‘ bzw. „Flussablauf‘ + n-Suffix, Hierzu existieren die gallische Form *rodana, im Dauphinois ronna „Ausfluss von Wasser“, in der Haute-Savoie (Hoch-Savoyen) rouno, was mit „Bach“ zu übersetzen ist.
Im heute belgischen Liege/Lüttich ist ein Gewässername „Roanne“ bekannt, der 1107 als .Rodena“ in den Quellen steht. Die Rhöne wird antik als .Rhodanus“ ver- zeichnet. Venantius Fortunatus nennt einen Mosel-Zufluss ebenfalls „Rodanus“.78
Viele Flüsse beinhalten diesen Namen in Frankreich, Belgien, Korsika etc. Beim norwegischen Gewässernamen „Radhund“ haben wir es ebenfalls mit einer Ablei- tung von idg. „rodhas = Flusslauf mit -ana-/-antia-Suffix zu tun.79
Die Kelten haben wie die italischen Sprachgruppen das idg. [0] konserviert, wobei sogar wahrscheinlich ist, dass die Volksstämme, die diesen Laut bewahrten, auch einen keltischen Dialekt sprachen.80 Die vordeutschen Siedlungsnamen sind gerade wegen ihrer Konservierung Zeugnisse galloromanischer Kontinuität, wozu Roden gehört. Hier gab es eine Gemengelage von romanischen und fränkischen Siedlungen, was zuletzt die Forschungen von Hermann Maisant bewiesen haben.81
2.5 Zwischenfazit: Roden, Rodenerbach und Ellbach. Alte und neue Möglichkeiten zur Deutung von Orts- und Gewässernamen
So wie in der Vergangenheit so wird es auch in Zukunft sicherlich weitere Deutungsdiskussionen zum keltischen Roden geben. Die lokale Geschichtsschreibung hat hier ihren Beitrag geleistet, die Sprachwissenschaft ebenso. Allerdings kann und muss die Interpretation eng an die Celtistik und Indogermanistik anknüpfen, denn nur durch deren Erkenntnisse könnten neue Erklärungsmuster entstehen. Stand heute ist der Stamm „+rhod“ für „fließen“, womit ein enger Bezug zum Rodenerbach besteht. Da keltisch „rho“ für „üppig, groß“ nicht gesichert ist, bleibt der Versuch einer Bezeichnung für einen Herrscher bzw. eine keltische Umzäunung (*dunum) außen vor. Es muss m. E. damit bei der Gewässer-Deutung bleiben.
Fraglich ist allerdings, wann aus dem Rodenerbach offiziell der „Ellbach“ zur General- bezeichnung des Gewässers aufstieg; dies ist im Folgenden noch zu beleuchten. Dass mit .Rodena“ nicht die Saar gemeint ist, beweist schon der Blick in die erste Erwäh- nung von 995. Denn dort wird Roden „im Gau der Saar“ (in villa Rodena vocabulo sita in pago Sarensi)82 erwähnt. Die Saar wird also als eigener Fluss mit eigenem Namen, der wie bereits erwähnt ebenfalls keltisch ist,83 explizit in den Quellen angegeben.
3. Rodenerbach und Ellbach
Rodena bzw. Rodenerbach für das Gewässer, das durch Roden fließt, ist heute amtlich nicht mehrgebräuchlich, vielmehr ist nur noch für den gesamten Bach einheitlich von „Ellbach“ die Rede. Aber warum und seit wann?
3.1 Amtliche Gewässerkarte des Saarlandes von 1978, neueste Ausgabe 2012
Dazu sind entsprechende Vorschriften zu Gewässernamen, vielleicht auch die Gemeindeordnung von1935 eine nützliche Quelle. Dort wird man allerdings ebenso wenig fündig wie in den Wassergesetzen oder im Kommunalselbstverwaltungsgesetz (KSVG) des Saarlandes. In der Tat gibt es keine Rechtsgrundlage für Gewässerbenamungen.84 Die amtliche Gewässerkarte des SaarlandesAusgabe 1978 hat den Ellbach letztlich zu dem gemacht, was er heute ist: der Name für den Gesamtlauf des Baches von der Quelle bei Falscheid (ca. 280 m ü. NN) bis zur Mündung in Roden
(ca. 176 m ü. NN). Der Höhenunterschied beträgt mithin 104 m, die Länge 15,2 km.
In einer amtlichen Karte von 1913 erscheinen noch Rodenerbach und Lohmühlbach in Roden. Der Name Ellbach taucht dann in den Karten auf, die die Lage während des Zweiten Weltkrieges zeigen.85Daher wird die Namensänderung wohl zwischen 1935 und Kriegsausbruch, sehr wahrscheinlich mit Neubenennung im Rahmen der Wiedergründung der Stadt Saarlouis erfolgt sein. Die unterschiedlichen Bachbezeichnungen sind: Reisweiler Bach, Labacher Bach, Harth-Bach, Brückbach, Ellbach, Lohmühlbach und Rodenerbach.
Ellbach ist ein häufiger Gewässername. Neben dem saarländischen Ellbach ist ein rechter Zufluss der Isar zu nennen, der in Bad Tölz mündet. Ferner existieren ein rechter Zufluss des Kochers beim Ortsteil Ernsbach der Stadt Forchtenberg im Hohenlohekreis (Baden-Württemberg), ein linker Zufluss der Sulm (Neckar) in Ellhofen im Landkreis Heilbronn (ebenfalls Baden-Württemberg) sowie ein linker Zufluss der Wupper (im Oberlauf auch Wipper genannt) in Marienheide im Ober- bergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen.
Als Zuflüsse des saarländischen Ellbach (Gewässerkennzahl DE: 26458) sind aufzu- listen (insgesamt 14): Links (9): Krohwaldbach, Zaunbuschbach, Aufeitbach, Hes- selbornbach, Lohwiesbach, Steinbornhumes, Leschbach, Lohbach, Bubach; Rechts (5): Schiesbornbach, Schessenborn, Labacher Mühlenbach, Wolfsgräth, Hessbach.
Die Bezeichnung Rodenerbach kann wohl als die älteste bezeichnet werden, Loh- mühlbach tauchte sicherlich erst auf, als sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Roden Gerber ansiedelten und Loh- und Sägemühlen errichteten,86 im 20. Jahrhundert war die Bezeichnung sodann bereits historisch. Die Bezeichnungen Brückbach oder Harth-Bach waren m. E. zu generell. Und mit der Vereinigung von Labach und Reisweiler zu Reisbach im Jahre 1937 hatten auch diese beiden Bäche
keinen Repräsentationscharakter dafür, als Bachabschnittsnamen „pars pro toto“ zu sein. Die Bezeichnung „Ellbach“, die sich im 20. Jahrhundert als allgemeiner Name des Gewässers durchgesetzt hat, kommt indes nicht in erster Linie in Roden vor. Sie ist der Name für den Abschnitt, der nach der Mündung des Hessbaches (heute Saarwellinger Breitwiese, Vorstadtstraße) bis etwa zur Sägemühle führte.87
Für Ellbach spricht gewiss, dass dieser Abschnitt die verbindende Mitte zwischen den beiden Hauptorten ist, die der gesamte Bach durchfließt.
3.2 Deutungen für Ellbach?
Ein erster Gedanke fallt auf die Elle bzw. den Arm eines Gewässers: eil = eln, fern. = Arm, aus dem Germanischen „alinä, aber auch lat. ulna, ulnae (fern.) für Ellenbogen; Arm; übertragen als Längenmaß für eine Elle = 0,37 m. Vgl. in diesem Zusammenhang für Ellenbogen/Armbeuge: *alino-bogon.88Diese Deutung ist für ein Gewässer jedoch nicht weiter fundiert.
Den zweiten äußert Christmann89 im Zusammenhang mit Ehlenbach bei Baumholder:
Er fasst das „Ellen-“ als Namen des Elches auf, der sicherlich bei uns in den Zeiten der germanischen Landnahme, des ersten Ausbaues und auch später noch in dem von ihm bevorzugten Sumpfgelände, also an den Bächen der alten Zeiten, oft zu Hause war. Dann listet er einige pfälzische Ellenbäche auf, ebenfalls bei Bübingen und zu Kirschhof (um Saarbrücken). Die Bezeichnung Ellenwiesen und -weiden (also Viehweiden) unterfüttern diese Interpretation. Im ahd. heißt Elch elaho, mhd. Elch. Das Wort Elen ist mit n-Suffix zum gleichen Stamm gebildet, zu dem mit k-Suffix Elch gehört. Elen (Ellen) muss so alt sein wie Elch, was das Beispiel Ellwangen/Kreis Biberach (Baden- Württemberg) belegen kann: Dort heißt es anno 814 und 823 Elchenwang, 888 auch Elenwanga, im 12. Jahrhundert Elhenberch und Elenperch für den gleichen Berg. Nach Christmann steckt daher in Ehlen- und Ellenbach ein ahd. und mhd. Ellen und bezeichnet allgemein das Vieh.90
Eine weitere Parallele findet sich bei Ottweiler in einer nicht exakt lokalisierbaren Wüstung namens Elchenbach, die im 15. Jahrhundert mit in ellichenbach, ca. 1700 als Flurname mit „Elchenbach“ figuriert.Pl
Eine dritte Deutung * Elenbah ist aus dem Althochdeutschen elm-, eln-, elen(boum) = Ulme + ahd. bah „Bach“.92 Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass eher die Trockenheit liebenden Ulmen an Gewässern nicht anzutreffen sind, was diese Deutung daher ins Abseits drängt.
Die vierte Deutung, die gemeinsam mit der zweiten plausibel ist, führt zum vorgermanischen Gewässernamen * EI(e)na, der auf idg. Wurzel *el- / *01- im Sinne von fließen, strömen + n-Suffix zurückgeht.F‘
Damit ist Ellbach wohl bis ins Althochdeutsche, ja sogar ins Vorgermanische zurückzuführen, während Rodena (Rodenerbach) in jedem Fall ein vorgermanischer Gewässer- bzw. auch Ortsname ist.94 Der heutige Ellbach ist also ein saarländischer Wasserlauf mit Abschnittsnamen, von denen es nach Spang im Saarland insgesamt 16 gibt.95 Der häufige Namenswechsel kommt sicherlich nicht daher, dass die damaligen Bewohner nicht erkannt hatten, dass es ein einheitliches Gewässer war, sondern bezieht sich auf physisch-geographische Gegebenheiten, anders gesagt auf unterschiedliche Funktionen (Lohmühlbach, aber auch Ellbach für Viehweidebachj.Pf
3.3 Der Ellbach in historischen Quellen
Weder aus Flurnamen noch aus Ortsnamen (auch nicht aus den Namen wüstgefallener Siedlungen) lässt sich ein ursprünglich einheitlicher Gewässername sicher rekonstruieren. In Saarwellingen existiert indessen bis heute ein Name „Auf der Ell“.
Als einziger Ortsname deutet Labach auf einen alten Gewässernamen hin.97 1297 erscheint zum ersten Mal der Ortsname Laupach, im 14. Jahrhundert Lupach. Das Schöffenweistum Dillingen erklärt 1544: In der Reisbach haben die Herren von Dulling Macht zujischen vom Vursteg an bis zur Mühlen. Für die Bemessung des Saarwellinger Brückbaches ist folgender Bericht interessant, den der Saarwellinger
Pfarrer Petrus Schnetterus über die Herrschaft Saarwellingen im Jahre 1638 abgibt: Noch ein steif wasser, die Brückbach genannt, ist ein gemein Wasser daran die Untertanen von den Brückensteigen an Macht gehabt haben zujischen bis an den Rodener Bann, und hat solcher Bach seinen Lauf von Schwarzenholz. 1781 erwähnt der Etat über den Wert der Herrschaft Saarwellingen Labach und Hessbach wie folgt, wenn er über den Saarwellinger Bann spricht: durchströmen und wäßem 4 kleine Bäche den Bann, welche sich darinnen vereinigen, wovon der eine die Labach, die andere die
Heßbach heißt, die übrige aber keinen Nahmen haben.98
3.4 Fazit zum Ellbach
Der Ellbach ist amtlich erst seit 1978, bestätigt durch die Gewässerkarte 2012, die Bezeichnung für das Gesamtgewässer von Falscheid bis Roden. Der Abschnittsname (einer von insgesamt sieben) ist die verbindende Mitte zwischen Rodener und Saarwellinger Bann, wobei die heute in Reisbach liegenden Abschnittsnamen keine Rolle spielten. Rodener- und Lohmühlbach verschwinden in den 1930er Jahren, wobei Lohmühlbach wegen des untergegangenen Handwerkszweigs keine Rolle mehr spielte und Rodenerbach für die Gesamtheit des Baches nicht identitätsstiftend gewesen und womöglich in Saarwellingen nicht durchsetzbar gewesen wäre, aber auch weil der Bach nicht aus Roden kommt, sondern dort mündet. Zur Deutung von Roden siehe im Übrigen unter 2.5.
Der Gewässername Ellbach kann plausibel wohl aus ahd. -ellen (Vieh) oder sogar am wahrscheinlichsten aus *el(e)na abgeleitet werden mit der idg. Wurzel *el- / *01- im Sinne von fließen, strömen + n-Suffix.
Quellennachweis:
01    Saarlouis wird erwähnt mit Saarbrücken und Saarburg bei: Oscar K a u s c h , Die Namenkunde der Länder und Städte des deutschen Reiches (Nachdruck der Originalausgabe von 1890 nach dem Exemplar der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz), 2010, S. 106. Dabei wird der Flussname „Saar“ hergeleitet von „sru“, was mit fließen übersetzt wird. Roden findet sich im Übrigen nicht erwähnt.
Eine genaue Herleitung geben in ihrem Aufsatz von höchster Bedeutung: Monika B u c h m ü l l e r / Wolfgang H a u b r i c h s / Rolf S p a n g, Namenkontinuität im frühen Mittelalter. Die nichtgermanischen Siedlungs- und Gewässernamen des Landes an der Saar, in: ZsGSaargegend, 34/35, 1986/87, S. 24-163. Zur Saar (S. 96 bzw. laufende Nr. 153): idg. *ser-, +sor- mit der Bedeutung von „strömen“.
Bei Ausonius (4. Jahrhundert) kommt die Form „Saravus“ vor, vgl. Hans K r a h e , Die Struktur der alteuropäischen Hydronymie, in: AkadWissLitAbhGeistSozialwissenschaftlKlasse, Jg. 1962, Nr. 5, vorgetragen in der Plenarsitzung am 27. Juli 1962, S. 287-342, hier S. 335 sowie S. 290. Ebenfalls:
Rolf S p a n g, Die Gewässernamen des Saarlandes aus geographischer Sicht, BeitrrSpracheSaarland, Bd. 3,1982, S. 140-143.
02    Aloys L e h n e r t , Geschichte der Stadt Dillingen/Saar, 1968, S. 75.
03    Der Kreis Saarlouis und seine nächste Umgebung unter den Römern und Celten. Ein Bericht an die Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier, 1850, S. 144-145.
04    Wolfgang H a u b r i c h s, Drei Miszellen zu Siedlungsnamen und Geschichte der frühmittelalterlichen Saarlande, in: ZsGSaargegend, 29,1981, S. 7-64, hier S. 7-8.
05    Wertvoll hierzu nach wie vor: Dieter Ze n g l e i n , Bibliographie zur saarländischen Flurnamenforschung, in: ZsGSaargegend, 33,1985, S. 206-225. Z e n g l e i n unterteilt in Handbücher und allgemeine Literatur zur Flurnamenkunde (I), Flurnamenliteratur von allgemeiner und überregionaler Bedeutung (11) sowie in Spezialliteratur zu den Flurnamen einzelner saarländischer Orte (111).
Während sich zu Saarlouis kein Eintrag findet, ist Dillingen recht gut untersucht, v. a. durch Forschungen von Aloys Lehnert (S. 216). Für Roden ist der einzige (1) Verweis interessant auf Severin A. D e l g e s, Aus alten Rodener Urkunden. Familien- und Flurnamen im 17. und 18. Jahrhundert, in: NSZ-Rheinfront vom 28.8.1936 (zitiert bei Z e n g l ei n , S. 222). Beachte zudem das Literaturverzeichnis bei B u c h m ü l l e r / Hau b r ich s / S p a n g (FN 1), S.
145-163.
06  Hermann M a i s a n t , Kelten, Römer, Franken. Das mehrperiodische Gräberfeld in Saarlouis- Roden / Josefstraße. Mit einem Beitrag von Victor Rau, 2001. Dr. Hermann Maisant (1914- 2006) wird gewürdigt von Wolfgang A die r , in: Landesdenkmalamt im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr des Saarlandes (Hg.), Denkmalpflege im Saarland 2, 2010, S. 13-14. Adler bezeichnet den Band „Kelten, Römer, Franken“ als Maisants „Lebenswerk“.
07     Severin D e I g es, Saarlouis-Roden im Wandel der Jahrhunderte, 1933, S. 11.
08    Dazu H. R i e h I, Die Völkerwanderung: Der längste Marsch der Weltgeschichte, 1976, S. 298: „Im Gegensatz zu den ostgermanischen Völkern, bei denen Landnahme zunächst immer mit Massakern, Plünderungen und Zerstörungen einherging, trachteten die Franken nach Assimilation.
09     Das würde bedeuten von ca. 475 bis ca. 20 v. Chr.
10     D e I g e s, S. 11, zitiert hierzu Hans Pr ü m m, Die Vergangenheit des Stadtteils Saarlouis-Roden, in: Südwestdeutschland, Sondernummer Saarlouis, 1915, S. 13-18, hier S. 13.
Aber auch Prümm schreibt an der zitierten Stelle losgelöst von einer bestimmten Referenz, bezieht sich aber – wie Delges auch – auf Max Müller (FN 14), als er „vom besten Kenner unserer Ortsnamen“ spricht: „Wenn wir dem besten Kenner unserer Ortsnamen glauben dürfen, geht das Wort
Roden oder Rodana, Rodona, Rodena, wie die ältesten Urkunden schreiben, in die vorrömische Zeit zurück und ist ursprünglich die Benennung eines Wasserlaufes, also des Rodener Baches gewesen.
Wann aber entstand ein Ort, auf den der Name überging? Vielleicht schon in der sog. Hallstattzeit (1000-500 v. Chr.), in der bei uns zuerst das Eisen verwertet wurde. Damals ging ein großer Überlandweg aus der Metzer Gegend nach dem Rhein, wahrscheinlich eine Salzstraße … „.
11    „rath“ steht unterdessen als Quelle für die Flur der Rodener „Rath“, siehe den Bereich der heutigen Rathstraße.
12     D e l g e s, S. 11. Zum ersten Erklärungsversuch (eng!. road) zitiert er Philipp Schmitt, der 1833 bis 1848 Pfarrer von Dillingen und ein bedeutender Heimatforscher war: Philipp S c h m i t t , Der Kreis Saarlouis und seine nächste Umgebung unter den Römern und Celten. Ein Bericht an die Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier, 1850, S. 153.
Der zweite Deutungsversuch (mittelhochdeutsche Entlehnung) entstammt: Nikolaus Fox, Saarländische Volkskunde, 1927, S. 37.
Zur Rolle Schmitts, der an einem Prozess teilnahm, den wir aus heutiger Sicht mit der Geburt der prähistorischen Archäologie als Wissenschaft charakterisieren dürfen, siehe: Wolfgang A dIe r , Pfarrer Philipp Schmitt (1805-1856) und das .Dreiperiodensystem“. Die Anfänge wissenschaftlicher Durchdringung der saarländischen Bodenfunde, in: Landesdenkmalamt im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr des Saarlandes (Hg.), Denkmalpflege im Saarland 2,2010, S. 17-25, insbes. S. 18 und 25. Mit dem Dreiperiodensystem ist im Übrigen dieDreiteilung in die Epochen Stein-, Bronze- und Eisenzeit gemeint. Zu Leben und Werk Schmitts siehe dort v. a. die umfänglichen Nachweise in FN 3.
13         D e l g e s, S. 11.
14         So notiert D e l g e s, S.151: .Der verdiente Heimatforscher Max Müller, Die Ortsnamen im Regierungsbezirk Trier, Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier (1900 bis 1905), 1906, erblickt in dem Bestimmungsworte die ureuropäische Wurzel rad gleich graben. Er sieht Roden jedenfalls als einen vorrömischen Ortsnamen an.“
Angemerkt sei, dass Müller 1910 einen weiteren Band zu den Ortsnamen im Trierer Regierungsbezirk vorlegte, in: Trierer Jahresberichte, 1910, S. 25-86.
15          D e l g es, S11 und 12.
16          Anna Franz, Lehrerin a. D., Auszug aus der Chronik von Roden, von vor Christi Geburt bis zur Eingemeindung mit Saarlouis 1907, Gedicht „Eingemeindung 1907. Das Dorf Roden, jetzt Stadtteil Saarlouis 2“, S. 2-14, hier S. 2.
17          F i n k e n b e r g (FN27), S. 31-38.
18          Heinrich B e y e r / Leopold E I t e s t e r /Adam G o e r z, Urkundenbuch zur Geschichte der mitteIrheinischen Territorien, Bd. 1, 1860, ND 1974, Nr. 270, S. 326; Dei g es, S. 13-14; F i n k e n b e r g (FN 27), S. 33-35.
19          Königsgut lag im Süden an der Saar mit Völklingen, Wadgassen und Roden, siehe Hans-Walter H e r r m a n, in: GeschLdeskdeSaariand, Bd. 2,1977, S. 78-79; Hau b r ich s (FN 4), S. 24-25.
20          S p a n g (FN 1), S. 148.
21          AD Nancy B 425 f. 143 v“,
22          Nachweise im Einzelnen bei S p a n g (FN I), S. 148.
23          Siehe FN 6.
24          Vgl. Monika B u c h m ü l l e r – P f a f f, Siedlungsnamen zwischen Spätantike und frühem Mittelalter. Die -(i)acum-Namen der römischen Provinz Belgica Prima, Diss. Saarbrücken, 1986, BeihZsRomanischePhilologie, Bd. 225, 1990, hier Kap. Von Marciacum zu Merzig -lautchronologische Betrachtungen zur Interpretation gallo-romanischer Toponyme ins Fränkisch-Althochdeutsche, S. 631-742.
25          Le h n e r t, S. 75.
26          L e h n e r t, S. 70.
27          Marc F i n k e n b e r g , Roden. Traditionsbewusstes Dorf und moderner Stadtteil, Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Bd. 5, 1997, S. 37.
28          F in k e n b e r g, S. 37
29          B u c h m ü l l e r I R a u b r i c h s I S pan g , Namenkontinuität im frühen Mittelalter. Die nicht-
germanischen Siedlungs- und Gewässernamen des Landes an der Saar, in: ZsGSaargegend, 34/35,
1986/87, S. 24-163.
30          Ernst C h r i s t rn a n n , Neue Beiträge zur saarländischen Ortsnarnenforschung, in: ZsGSaargegend, 12, 1962, S. 11-26. F in k e n b e r g zitiert „S. 25 f.“.
31          C h r i s t rn a n n, S. 26.
32          Siehe FN 14.
33          Christmanns Fußnote verweist hier erneut auf Max Müller: MMü I. I 51 (FN 14).
34          B u c h rn ü I I e r IR a u b r i c h s IS p a n g (FN I), S. 83 (laufende Nr. 130: Ensdorf, an der Mündung des Lochbachs in die Saar: 1179, 1197) sowie S. 106 Mitte.
35          H a u b r i c h s (FN 4), S. 23-24; B u c h m ü l l e r /H au b r i c h s IS pan g (FN I), S. 93-94 (laufende Nr. 149).
36          Johannes L o h m a n n , Das Verbalpräfix ro- im Keltischen als allgemein-sprachwissenschaftliches Problem, in: Celtica 3,1956, S. 311-316, hg. vom Dublin Institute for Advanced Studies (School of Celtic Studies).
37          So C h r i s t m a n n, S. 15.
38          Zur Geschichte der Verbandsgemeinde Rodalben: http://webcache.googleusercon-
ten t. com/search ?hl =de&q =cache: mPCRXAMr YO U J: http://www.rodalben.de/gemein –
den/historie-vg. h tm2Brodal ben + geschich te&g bv= 2&gs_1 = heir loorn- h p.l. 3. Oi3016jOi8 i
3014.2554.10565.0.13720.11.9.0.2.2.0.491.3394.2-2j2j5.9.0 … 0.0 … lc.l.YIXpI709AgI&ct=c1nk
[2.1.2013].
39  Im altdeutschen Wortschatz finden wir für „rod, rodh, rot, roth, rott“ eine erste urkundliche Erwähnung eines Flurnamens, mit dem Rodung und urbar gemachtes Neuland gemeint sind, aus dem Jahre 773: aganrod. Sodann folgen hasigeresrod (850), ermetrode (875), beiresrothe (960), ratpretesrothe (960), biscoffesrod (1006), rupenrode (1157), arnoldesrot (1221), walzelenroth (1235), henrode (1327). Die Jahreszahlen dieser Erwähnungen belegen eine frühmittelalterliche Vorherrschaft individueller Rodungsvorgänge, die sich dadurch charakterisieren, dass die Neurodung oft anstelle eines älteren Flurnamens den Namen des rodenden Siedlers resp. des Rodungsherren (wie z. B. der Bischof) trug. Des Weiteren begegnen in den Urkunden im Hochmittelalter zunehmend Neurodungen auf gemeingesellschaftlicher Basis, was mit Hilfe von allgemeinen Bezeichnungen oder sogar durch gemeingesellschaftliche Namen ausgedrückt wird: in nova rure rode (1151) = Auf der neuen Rotten-Rodung; loeus botenrott (1196) = Ort, der im Auftrag gerodet wurde; in hurterodhe (1217) = Auf der durch Reisiggeflecht gesicherten Rodung; ze nuenrode (1231) = Zu Neuenrod; zeehenrot (1236) = Gemeinschaftsrodung; hinder breydenroth (1281) = Hinter der breiten Rodung; in rodin (1322) = auf der Rodung.
Siehe J. K e h r ein, Sammlung alt-, mitteldeutscher Wörter aus lateinischen Urkunden, 1863 sowie Peter Paul S c h w e i t z e r, Altdeutscher Wortschatz. Ein sprachgeschichtliches Wörterbuch, 1998/2002, S. 223.
40          S c h w e i t z e r , S. 362, der ebenfalls auf „noviomagus“ = Neumagen sowie Nimwegen verweist. Zu „rod, rodh, rot, roth, rott“ für die Rodung sowie für urbar gemachtes Neuland siehe ebenfalls
S c h w e i t z e r S. 223.
41          S c h w e i t z e r S. 224, „röt“.
42          Der Autor dankt dem Zeitzeugen Theo Speicher (Roden) für diese Hinweise.
43          Eine feste mittelalterliche Besiedelung bestand in Roden. Neuerdings siehe zu einem Haus wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert siehe Sabine K i e f e r , Ein „festes Haus“? Mauerreste eines spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Gebäudes in Saarlouis-Roden, in: Landesdenkmalamt im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr des Saarlandes (Hg.), Denkmalpflege im Saarland 2,2010, S. 311-321.
44          Zur Geschichte Rodenbachs: http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:4miqahMjd 08J:http://lexikonn.d /Rodenbach_(Ebertsheim)2Broderich2BfrC3A4nkischer2Brodenb ach&hl=de&gbv=2&gs_l=heirloom-hp.3 … 2103.11216.0.11326.20.19.0.0.0.0.351.2984.4jllj2j2.19.
0 … 0.0 … lc.I.ezPz6h W3Cfw&ct=clnk [2.1.2013].
45          S c h w e i t z e r, S. 223. Zu Rodenbach ebenso: Kurt Ho p p s t ä d t e r, Die Siedlungsnamen der Landkreise Ottweiler und St. Wendel, VeröffArbeitsgemLdeskdeHistVSaargegend, Heft 3, 1970, Nr. 526, S. 58.
Der Saarbrücker Rodenhof ist gleichfalls später anzusetzen, siehe etwa: Hans-Peter K l a u c k ,
Lexikon der saarländischen Orte, Gehöfte, Mühlen, Industrieanlagen und Wohn plätze mit Angaben
zu Pfarr- und Standesamtszugehörigkeiten, VeröflVereinigHeimatkdeLkrsSaarlouis, 10. Sonder-
band, 3. Aufl., 2008, S. 379-380.
46          Zu den pfälzischen Ortsnamen zuverlässig D o lch/I G r e u I e, Historisches Siedlungsnamenbuch
der Pfalz, 1991, S. 393 ff., Rod e n b ac h S.395-396.
47          Wolfgang Hau b r i c h s , Basenvillare – Königsort und Heiligengrab. Zu den frühen Namen und zur Frühgeschichte von St. Wendel, in: ZsGSaargegend, 28, 1980, S. 7-89, insbes. S. 14-15, konsta- tiert klar mit zahlreichen, hier nicht wiedergegebenen Belegen: .,Die Legenden des hl Wandelinus, die uns überliefert sind und nach bewährtem Muster aus dem seinem Namen nach unzweifelhaft aus dem romanofränkischen Raum stammenden Heiligen einen Iren oder Schotten machen, setzen in der Überlieferung erst mit dem 15. Jahrhundert ein [ .. .]“. Der Name ist wohl aus dem germ. Personennamenstamm Wand(al) und dem v. a. im westfränkischen Bereich verbreiteten, vielleicht unter romanischem Spracheinfluss stehenden Suffix -enus, -Ienus zusammengesetzt. Siehe dazu in Sonderheit Ernst Wilhelm F ö r s t e man n, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 1, Personen namen, 2. Aufl., 1900, Sp. 1525 Ir. Wandalinus ist ergo germano-romanisch hybrid gebildet.
48          Disibod ist germanischen Ursprungs, Mitteilung von W H a u b r i c h s.
49          Andreas H ein z , Heilige im Saarland, 1991,2. Aufl., S. 68; Gabriele 0 b e r h au s e r, Wallfahrten und Kultstätten im Saarland. Von der Quellenverehrung zur Marienerscheinung, 1992, S. 45 ff. und S. 57 If.
50          Dazu noch .The Catholic Encyclopedia“, die St. Ruadhan als einen der zwölf .,Apostles of Erin“ charakterisiert. Todestag war der 5. April 584. www.heiligenlexikon.de/BiographienR/Rodanus_
Ruadhan_ von_Leinster.html [5.1.2013].
51          P r ü m m,S.13.
52          FN 6.
53          In unserem Raum sind alemannische Besiedlungen jedoch nicht belegt. Hier irrt Prümm.
54          P r ü m m, S. 13.
55          M a i s a n t / R a u, S. I.
56          M a i s a n t   Rau, S. 2 sowie S. 24 ff.
57          Mai s a n t / Rau, S. 52 und S. 84.
58          M a i s a n t / R a u, S. 58; P r ü m m, S. 13: „Damals ging ein großer Überlandweg aus der Metzer Gegend nach dem Rhein, wahrscheinlich eine Salzstraße. Sie kreuzte die Saar bei Wallerfangen und ist es. nur zu natürlich, dass an der Fährstelle hüben und drüben menschliche Niederlassungen entstanden. Sicher wissen wir es für die folgende jüngere Eisenzeit, die sog. La Time-Periode (500-0 v. Chr.), aus der ein Fund gemacht wurde.“
59          Was die Alten erzählten. Die schönsten Sagen aus dem Kreise Saarlouis, Heft 4, 1929, S. 24.
60          Ernst C h r i s t m a n n , Mundart- und Namenforschung Hand in Hand, in: der s ., Flurnamen
zwischen Rhein und Saar, Festschrift aus Anlass des 80. Geburtstages von Ernst C h r i s t m a n n,
VeröffPfalzGesWissenschaft, Bd. 49, 1965, S. 15-22, hier S. 15 (veröffentlicht ebenfalls in: ZsMund-
artforsch, 26. Jahrgang, 1958, S. 31-41).
61          Otto M a r t i , Die keltische Landvermessung im 4. Jahrhundert v. Chr. und ihre toponymischen
Zeugnisse, 1959, § 17 (S. 16).
62          M a r t i , § 32 (S. 24). Zu Roden speziell: Nikolaus Fox, Laut- und Akzentlehre der Mundart des Ortes Roden, verbunden mit einer Übersicht über die Mundarten des Bach- und Köllertals, Diss. Köln 1922; Alois L e h n e r t , Studien zur Dialektgeographie des Kreises Saarlouis, 1926.
63          M a r t i , § 59 und § 60 (S. 43). Zur Etymologie von Gau zuverlässig K lug e / Sei bol d , Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 25. Aufl., 2011.
64          S c h w e i t z e r, S. 366. So wie bereits nachgewiesen Max Müll e r (FN 14) und ihm folgend, aber zweifelnd, C h r ist man n (FN 30).
65          M a r t i , § 64 (S. 45).
66          William L i t t l e / H W F o w l e r I J . C o u I s o n, The Shorter Oxford English Dictionary on Historical Principles, 3. Aufl., 1970, S. 1744, Spalte 3.
67          Keltisches Wort (umstritten), vgl. die Abhandlung von Hans B a h l o w , Namenforschung als Wissenschaft. Deutschlands Ortsnamen als Denkmäler keltischer Vorzeit, 1955, S. 4.
68 S c h w e i t z e r, S. 356 sowie das keltische Wörterbuch: http://www.teutatesnet.de/portal/modules. php?name=4nwordbook&file=search [2.1.2013].
69          M a r t i, § 68 (S. 47) sowie § 131 (S. 84).
70          Georges D o t t i n, La langue Gauloise, Grammaire, Textes et Glossaire, 1920, S. 254-255.
71          Vgl. hierzu z. B. neuerdings: Peter H a u p t / Sabine H o r n u n g , Das oppidum „Hunnenring“ bei Otzenhausen, Kreis St. Wendel, in: Landesdenkmalamt im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr des Saarlandes (Hg.), Denkmalpflege im Saarland 2, 2010, S. 67-89.
72          M a r t i, § 81 (S. 52) sowie § 133 (S. 85).
73          D o t t i n, S. 276.
74          B u c h m ü l l e r / Hau b r ich s / S p a n g (FN 1), S. 26. Dazu die Karte ebda, S. 25.
75          B u c h m ü l l e r / Hau b r ich s / S p a n g (FN I), S. 35.
76          Mittelrheinisches Urkundenbuch, Bd. I, NI‘. 270, S. 326.
77          Roland W L. P u h l, Die Gaue und Grafschaften des frühen Mittelalters im Saar-Mosel-Raum. Philologisch-onomastische Studien zur frühmittelalterlichen Raumorganisation anhand der Raumnamen und der mit ihnen spezifizierten Ortsnamen, BeitrrSpracheSaarMoselRaum, Bd. 13,1999, zugleich Diss. Saarbrücken, 1996, S. 293-294; B u c h m ü l l e r / Hau b r i c h s / S p a n g (FN I),
S. 94 (laufende Nr. 150).
78          B u c h m ü l l e r / Hau b r ich s / S p a n g (FN I), S. 94 mit vielen weiteren Nachweisen. Die ähnliche Herleitung vertreten: P u h I (FN 77), S. 293; W. J u n g a n d r e a s , Historisches Lexikon der Siedlungs- und Flurnamen des Mosellandes, SchrrTrierLdesGVolkskde 8,1962, S. 879; Rolf S p a n g , Die Gewässernamen des Saarlandes aus geographischer Sicht, BeitrrSpracheSaariand, Bd. 3, 1982, S. 148-149.
79          B u c h m ü l l e r / H a u b r ich s / S p a n g (FN 1), S. 148-149.
80          B u c h m ü l l e r / H a u b r i c h s / S p a n g (FN 1), S. 107 mit Bezug auf A. G r e u I e, Vor- und frühgermanische Flussnamen am Oberrhein. Ein Beitrag zur Gewässernamengebung des Elsass, der Nordschweiz und Südbadens, BeitrrNamenforsch, Beiheft 10, 1973, S. 97.
81          B u c h m ü l l e r / Hau b r ich s / S p a n g (FN I), S. 139.
82          Mittelrheinisches Urkundenbuch, Bd. 1, Nr. 270, S. 326.
83          Siehe Nachweise zu Saarlouis und der Saar in FN 1.
84          Nachricht des Landesamtes für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) vom 28. Mai 2013: „Sehr geehrter Herr Gergen, wie Sie selber schon recherchiert haben, gibt es keine Rechtsgrundlage für Gewässerbenamungen, vielmehr sind die Gewässernamen regional und ortsspezifisch gewachsen, sie begründeten sich z. B. aus der Funktion des Gewässers (z. B. Mühlenbach, Weiherbach) oder aus ihrer Lage (Waldbach, Bruchbach, Wiesbach) oder aus Orts- und Gemarkungsbezeichnungen (Ihner-Bach, Werbelner Bach, Hahnerbach, Knorscheider Floß). Da bislang sogar innerhalb eines Ortes mehrere Namen für ein und dasselbe Gewässer existierten und dies teilweise gerade im Behördengebrauch zu Verwechslungen und Missverständnissen führte, beauftragte im Jahre 1975 das damalige Landesamt für Wasserwirtschaft (heute Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz) das Institut für Landeskunde des Saarlandes damit, wissenschaftlich fundierte Vorschläge für die Namensgebung der saarländischen Gewässer zu machen. Diese Auswertungen begründeten sich in der ersten amtlichen Gewässerkarte des Saarlandes Ausgabe 1978. Auch in dieser trug der
Ellbach von der Quelle bis zur Mündung den gleichen Namen. Dennoch wurde gerade der EIIbach in dieser Untersuchung explizit erwähnt, da er tatsächlich auf einer Länge von 20 km mit 7 verschiedenen Namen bezeichnet wurde. Von der Quelle bis zur Mündung waren dies: Reisweiler Bach, Labacher Bach, Harth-Bach, Brückbach, Ellbach, Lohmühlenbach und Rodener Bach. Die urkundliche Überlieferung erlaubte hier keine Rekonstruktion eines ursprünglich einheitlichen Gewässernamens. Eine Erklärung für das Vorhandensein von Teilbezeichnungen für ein Gewässer wäre, dass die ersten Siedler den Zusammenhang des Wasserlaufs nicht erkannt hätten und so in jedem Siedlungsabschnitt der Bach einen eigenständigen Namen trug. Der Name Ellbach wurde schließlich 1978 in der Gewässerkarte für den gesamten Gewässerlauf festgelegt. Auch in der neuesten Gewässerkarte – Ausgabe 2012 -lautet der offizielle Gewässername Ellbach.
Die Gewässerkarten sind keine Rechtsgrundlage, sondern nur „amtliche Karten“ für die Gewässernamen. Die ortsüblichen Gewässerbezeichnungen werden dennoch im allgemeinen Sprachgebrauch bestehen bleiben, jedoch innerhalb der Verwaltung und bei Verwaltungsakten (Wasserrechtsanträge, Bauanträge, etc.) müssen die offiziellen Gewässernamen verwendet werden“.
85          Karten bereitgestellt von Andreas R i v a l (Roden).
86          Zu den Mühlen: Arthur K a s p a r und Victor R a u in: Rodener Geschichtskreis im OIV (Hg.), Eine Zeitreise durch Roden. Geschichte(n) von Rodener für Rodener, 2011 (Bd. II); die sehr
lesenswerte Broschüre „Lebensraum Ellbachtal“ (ein Leitfaden der Kreisstadt Saarlouis) von Wolfgang V o g e l und Susanne La n g, 1992, gibt zum Geschichtlichen wenig her. Sie verweist auf die historische Karte von 1803-1820 (Karten aufnahme des Rheinlandes durch Tranchot und v. Müffling, Blatt 255 Saarlouis) und zeugt, dass Anfang des 19. Jahrhunderts-die Wasserkraft des
Ellbachs genutzt wurde sowie darauf, dass der Mühlenbetrieb schon seit langer Zeit eingestellt ist (S. 10).
87          Rolf S p a n g , Die Gewässernamen des Saarland es aus geographischer Sicht, BeitrrSpracheSaarland, Bd. 3, 1982, Karte S. 88.
88          William Li t t l e / H. W. F o w l e r / J. Co u l s o n , The Shorter Oxford English Dictionary on Historical Principles, 3. Aufl., 1970, S. 594; Rita H a u   u.a. (Hg.), Globalwörterbuch Lateinisch-
Deutsch, 2. Aufl., 1986 mit Nachdruck 1997, S. lO72.
89          Ernst C h r i s t m a n n, Neue Beiträge zur saarländischen Ortsnamenforschung, in: ZsGSaargegend, 12, 1962, S. 11-26, hier S. 19-20.
90          Diese Deutung bestätigt auch S p a n g (Fn. 87), S. 115, wenn er bei den Gewässern, die von Tiernamen stammen, „Ehlenbach (Elch)“ auflistet.
91          S p a n g (Fn. 87), S. 186.
92          S p a n g (Fn. 87), S. 272.
93          S p a n g (Fn. 87), S. 186 und 38l.
94          S p a n g (Fn. 87), S. 47-48: Vorgermanische Gewässernamen: Bist, Blies, Bosbach, Glan, Ill, Leuk, Löster, Mosel, Nahe, Nied, Prirns, Rossel, Saar, Seffers, Söter, Theel, Wadrill. Sodann schreibt
S p a n g: „In dem gleichen Zusammenhang sind die Ortsnamen Ihn, Losheim, Roden und Wochern
zu sehen, die allesamt von vorgermanischen Gewässernamen abzuleiten sind; diese Gewässernamen sind jedoch als solch nicht mehr bekannt.“ (S. 48) sowie S. 129.
95          S p a n g (Fn. 87), S. 90.
96          S p a n g (Fn. 87), S. 97.
97          Nikolaus F o x in seiner Saarländischen Volkskunde, 1927, S. 12, sah einen Zusammenhang zwischen Ellbach und Labach, wobei bei Labach das Anfangs-E verstummt sei. Dies ist m. E. aber mit der Zurückführung auf *el(e)na nicht kompatibel, da das „n“ von *el(e)na dann ebenfalls weggefallen sein müsste. Labach ist wohl eher auf Laub zurückzuführen.
98          S p a n g (Fn. 87), S. 186 mit weiteren Nachweisen auf die Einzelquellen.